Der Kölner Robert Hübner (1948 – 2025) war der erfolgreichste deutsche Schachmeister seit dem Zweiten Weltkrieg, kämpfte gegen die Großen seiner Zeit, ein Mann mit vielen Talenten.
In tagelangen Gesprächen hat er Michael Dombrowsky erzählt, was ihn jenseits der Wettkämpfe wirklich bewegt: die Liebe zu altgriechischen Klassikern, finnischen Kurzgeschichten und die Abneigung gegen selbstgerechte Funktionäre. Es ist die beeindruckende Lebensgeschichte eines Menschen, der immer mehr sein wollte als nur ein guter Schachspieler.
Medaillen und Ehrungen
Robert ist wirklich nicht der Typ, der auf Medaillen, Plaketten, Urkunden, Preise und Pokale gesteigerten Wert legt. Besser gesagt, sie waren ihm egal. Um die manchmal mächtigen und schweren Pokale loszuwerden, ohne die Veranstalter zu brüskieren, hat Robert sehr erfindungsreich Strategien entwickelt. Zwei Episoden verdeutlichen seine Einstellung zu diesen "Ehrengaben".
Die erste spielt in Houston (Texas). . . .
Während des Turniers verbrachte Robert Zeit mit dem US-Amerikaner William Martz, der in Houston seine fehlende IM-Norm erfüllte. Martz hatte in Europa schon gegen Hecht (in Malaga) und Pfleger (Studenten-WM) gespielt und beobachtete die deutsche Schachszene mit Interesse. Deshalb hatte er Hübner eingeladen, nach dem Turnier ein paar Tage in Milwaukee sein Gast zu sein. Nach der Siegerehrung nahm er die Einladung an und dies aus einem einfachen Grund: Bei der Siegesfeier erhielt er nicht nur einen Geldpreis, sondern auch eine Trophäe. In Texas konnte es zu jener Zeit natürlich nur ein Ölbohrturm sein . . . .
Die Bronze war einen Meter hoch! Und Robert hatte jetzt zwei Fragen: „Wie bringe ich dieses Riesenteil nach Köln? Und was fange ich dann damit an?”
Das blieben auch noch die drängenden Probleme, als er mit Martz im Auto nach Milwaukee fuhr. Im Kofferraum lag der Ölbohrturm sicher verstaut. Robert schildert die Lösung des Problems so:
„William zeigte mir zunächst die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Als wir dann den Schachklub von Milwaukee besuchten, kam mir die rettende Idee. Es gab große Spielräume, eine umfangreiche Schachbibliothek und eine riesige Vitrine mit Pokalen. Beim offiziellen Besuch am nächsten Tag hielt ich eine kurze Ansprache und übergab ich meinen Ölbohrturm als Stiftung an den Verein. Erleichtert, im wahrsten Sinne des Wortes, flog ich nach Hause.”
Die zweite Episode spielt 1998 in Havanna beim 33. Capablanca-Memorial.
Bei der Abschlussfeier saß Robert dem kanadischen FIDE-Meister Irvin Lipnowski gegenüber. Den Geldpreis hatte er in der Tasche und zwei große Pokale standen vor ihm auf dem Tisch. . . . . . . .
„Mann, Du musst ja eine Riesensammlung von Pokalen zuhause haben,” sagte der Kanadier voller Bewunderung. . . . . . . Er blickte ihn ungläubig an, als ihm Robert eröffnete, er habe gar keinen Pokal in seiner Wohnung, das Apartment sei klein und die Regale seien mit Büchern vollgestopft. Da bliebe kein Platz für bronzene Skulpturen, Pokale, Schalen, Becher oder versilberte Tischlampen.
Der Professor aus Manitoba schaute ihn entgeistert an. „Aber was machst Du jetzt mit diesen beiden Pokalen?” fragte er. „Ich gehe zum Hafen.”